Q&A 

Persönliche Fragen und Antworten

Wir beantworten hier eure Fragen, von denen wir denken, dass sie für die gesamte Forschungsgemeinschaft relevant und/oder hilfreich sind. 

Es sind dabei keine allumfassenden Antworten, sondern mehr der Versuch, euch zu zeigen, welche Fragen oder Blickwinkel uns helfen können, die Kinder mehr zu sehen, unsere eigene Beteiligung bei einem Konflikt oder schwierigen Stellen mit den Kindern zu erkennen. 

Was tun, wenn der Selbsthass mich so überrollt und ich ihn gegen meinen Sohn richte?

Frage Stéfanie

Heute möchte ich auch noch gerne etwas mit dir teilen zu Transparents oder zu unseren Traumata. Eine ganz tiefe Frage, die ich habe und die gestern durch eine emotional schwierige Situation mit meinem Sohn wieder aufgetaucht ist. Wir hatten gestern wieder eine Auseinandersetzung - eigentlich mittlerweile immer seltener mit dieser Heftigkeit - wo ich wieder mit meinem Selbsthass in Kontakt gekommen bin. 

Was tun, wenn der Selbsthass mich so überrollt und ich ihn gegen meinen Sohn richte?

Dank der Arbeit mit Transparents - und auch der Session 6 (am stärksten traumatisiert bin offensichtlich ich in der Einstimmung und in der Autonomie) - konnte ich mehrere Male innehalten (Zeit zum Innehalten habe ich ja meist, denn ich weiss ja oft nicht mehr, was ich machen soll). Ich habe meine Hände auf meine Brust gelegt und mehrmals meinen Namen zu mir gesagt. Ich habe versucht, einfach meine Gefühle wahrzunehmen. Und ich habe versucht, mir eine Unterstützung vorzustellen. Die Gefühle waren wieder Selbsthass und damit verbunden einfach immer wieder das Gefühl, dass ich jetzt am liebsten sterben möchte. Der Selbsthass ist so schmerzhaft, die gesamte Situation, die ich nicht in den Griff bekomme löst so viel Selbsthass in mir aus, dass ich oft dann innerlich nur den Ausweg "sterben" sehe. Zumindest kommt dann dieser Satz und dieses Gefühl in mir "am liebsten würde ich jetzt einfach sterben". Begleitend dann manchmal auch eine sehr starke Destruktivität. Ich mache und sage toxische Dinge gegen meinen Sohn UND gegen mich selbst gerichtet. Irgendwann habe ich dann einfach auf meine Brust geschlagen, das hat mich schon ein bisschen schockiert. Es ist mir nicht gelungen in diesem Moment, mir eine unterstützende Kraft vorzustellen - in welcher Form auch immer - bzw. vorstellen ging noch, aber ich konnte sie nicht FÜHLEN. 

Ist das wirklich heilbar?!

Ich fühle mich an diesem tiefen Ort in mir so abgeschnitten von der Liebe, dass ich mich ganz ehrlich frage, ob das überhaupt heilbar ist. Ich bin schon so lange dran. Ich habe schon so viele Therapien gemacht. Ich mache mit meinem Sohn insgesamt auch viele Fortschritte, aber an diesem Ort in mir, da bin ich fraglos und fühle mich hilflos. Und der zieht mir einfach auch enorm viel Lebenskraft. Es scheint dieser Ort in mir zu sein, der sich immer wieder anfühlt wie eine unterschwellige Depression, eine ganz tiefe Traurigkeit und eben auch eine Todessehrsucht, diese Sehnsucht in mir nach der reinen Liebe. Manchmal habe ich Angst, ob ich den Weg lebend finden werde oder ob ich an dieser Stelle einfach zu abgeschnitten bin und mich eben nur der Tod, also der Blick aus einer anderen Perspektive befreien kann. 

Ich fühle manchmal so eine Todessehnsucht... Was hilft mir?

Durch meine Covid und long Covid Erkrankung bin ich sehr stark mit meiner Todessehnsucht in Kontakt gekommen und auch mit der Frage: wieviel Lebenskraft steht mir eigentlich noch zur Verfügung in dieser Inkarnation? Ich bin ja immer noch nicht vollständig gesund, sehe diese Zeit aber auch als Chance, mich mit diesen ganz tiefen Stellen in mir auseinanderzusetzen. Und sie fühlen sich nämlich wirklich ziemlich vergraben in mir an. Wie oft muss ich dort noch vorbei?

Auch wenn ich über meine Todessehsucht spreche oder schreibe, löst das Angst in mir aus, dass durch das Benennen, es wie noch mehr Macht bekommen könnte. Aber wahrscheinlich ist es eher das Gegenteil. Durch den Mut, es ins Bewusstsein zu holen, ins Licht, kann es sich - so hoffe ich - transformieren. 

Ich habe mich die letzten Monate und Wochen immer wieder entschieden, zu leben, merke aber auch, dass ich mit allen Stellen in mir leben möchte und nicht so halb abgeschnitten von mir. Ich weiss, dass mein ganz tiefer Wunsch es ist, die Liebe auf die Erde zu holen (sie ist ja schon da in Wirklichkeit) die Liebe im weitesten Sinne  im Irdischen zu erfahren, die himmlische und die irdische Dimension zusammenzubringen, mich zu erinnern, im So-Fühlen, dass ich Liebe bin. Das ist mein tiefstes Motiv hier zu sein und da finde ich auch Neugierde und Lebenskraft in mir vor. 

 Trotzdem: hast du einen Input zu dieser Stelle in mir, wo ich mich selber so hasse, sterben möchte und mich so stark abgeschnitten fühle von jeglicher Form der Liebe, der Unterstützung, des Wohlwollens?

Heute Morgen bin ich auch erwacht wieder mit dieser Schwere und Leere in mir noch von der gestrigen Situation. 

Ich danke dir herzlich für deine Unterstützung und bin von Herzen dankbar für jeden Input!

Stéfanie

Antwort Kirsten:

Liebe Stéfanie,
Ich habe dir im Anhang ein kurzes Handout angehängt, das bald als Zusatzhandout "Agency und Gefühle" kommen wird mit Session 8.
Ich dachte einfach, dass das richtig cool für dich sein könnte mit deinen Fragen, die du hast. Bin gespannt, ob das so ist, ob es hilfreich ist.

Der Selbsthass ist ja tiefer eingefrorenen Protest Energie, die wir gegen uns richten.

Dein Weinen ist (siehe eben dieses Handout) oft eine Standard-Emotion, die dich im Kindbewusstsein hält und auch mit eine Zeichen der Deprression ist oder der depressiven Gefühlszustände an bestimmten Tagen oder in bestimmten Zeiten (Einstimmung). Es kann für dich vielleicht hilfreich sein beginnnen zu unterscheiden, welche Gefühle bringen dich mehr mit dir in Verbindung und welche führen mehr in die Trennung, in Hilflosigkeit oder "einfach" gesagt, ins Kindbewusstsein.

Dein Hauptfrage zum Selbsthass, was dir dabei helfen könnte, dazu mag ich auch noch was schreiben. 

Wenn wir gerade sehr mit einer toxischen Spirale identifiziert sind

Zuerst mal ist es so, in dem Moment, wo der Selbsthass sehr stark da ist, ist die Identifikation, dass mit dir was falsch ist, mega am laufen. Aus der auszusteigen ist echt schwer. Wenn die Identifikation noch so stark ist, ist auch das rein fühlen oft nur noch toxischer. Wie du beschreibst. Weil das rein fühlen in toxische Energie löst wie ein Abwärtssprudel aus, der für uns furchtbar schmerzhaft ist. Wenn wir also so stark im toxischen Strudel sind, wäre es in dem Moment im Alltag das allerbeste, wenn wir uns ablenken, weggehen, aus der Situation raus, am besten bevor es schon so stark ist, weil es dann immer stärker wird und immer schwieriger, raus zu gehen. Der Sog ist stark, du beschreibst es so treffend. Also raus gehen zu können und sich ablenken zu können ist nicht immer einfach, kann aber mehr und mehr gelingen, wenn wir ganz zu Beginn aussteigen.

Aussteigen, in die Küche gehen, in den Keller, uns sagen jetzt koche ich was, jetzt schreibe ich eine E-Mail, jetzt mache ich mir einen Kaffee, jetzt mache ich etwas, jetzt putze ich, jetzt höre ich eine Musik, jetzt rufe ich jemanden an wo ich weiss ich muss in eine andere Energie einsteigen das bringt mich auch raus, jetzt gehe ich joggen, jetzt sage ich meinem Kind ich muss kurz raus komme gleich wieder, jetzt....

Was du aber schreibst, ist grossartig, dass es dir gelungen ist - weil du eh in dem Moment nicht viel machen kannst, wie du schreibst - Innezuhalten und die Hand auf deine Brust zu tun. Deinen Namen zu sagen. Unterstützung dir vorzustellen. So schön. Es gelang dann nicht, vielleicht auch weil das reinfühlen dich auch etwas in die toxische Spirale geführt hat, wie vorher beschrieben, in jedem Fall hier noch ein paar weitere Gedanken dazu. 

Wie unsere Protest-Energie aktivieren?

Was ist, wenn du dir jetzt diese Situation nochmals vorstellst und versucht zu schauen, was hättest du da gebraucht? Was hättest du das gewollt? Oder noch direkter - auch für ein nächstes Mal, wenn du in so einem Innehalten bist - Was brauche ich? Was will ich? Was möchte ich? - Möchte ich gehört werden? Möchte ich gesehen werden?... Aber einfach wie deinen Namen sagen... und dir liebevoll die Frage stellen, was brauche ich... und sanft einfach nur damit sein, dein Kind ausblenden...Diese Fragen verbinden dich tiefer mit deiner "Protest-Energie" bzw mit der Information, der Botschaft der "Protest-Energie". Das, was oft nie wirklich von unserer Umgebung früher gehört worden ist.

Was auch hilfreich sein kann ist, dich an einen Moment zu erinneren, wo du dich tief verbunden gefühlt hast. Sei es mit einem Baum, in der Natur, mit einem Menschen, mit deinem Sohn. An den Moment zu denken, zu schauen, was war das, wie ging es dir das, wie hast du dich da gefühlt, wie war es die Natur oder die Verbindung zu fühlen des anderen Menschen?

Was auch hilfreich sein kann ist dir zu sagen, mit den Händen auf deiner Brust, "Ich bin Okay!", es dir immer wieder zu sagen. "Ich bin okay, ich bin ein Mensch und nicht perfekt, ich bin Okay!". Auch das kann Ausdruck unserer eingefrorenen Protest-Energie sein.

Natürlich ist Therapie insbesonder NARM sehr hilfreich, aber es ist einfach ein Weg, der Zeit braucht.

Wir stehen aus meiner Sicht am Anfang dessen, dass Therapie effektiv ist

Für den Heilungsweg möchte ich dir schreiben, es braucht Zeit ja, aber du gehst soooo einen schönen Weg meine liebe Stéfanie!!! Und es wird sich weiter verändern, Therapie verändert sich, ich habe früher auch Therapie gemacht, die gut war aber die toxische Scham ist etwas, wo ich vor NARM nie wirklich Veränderung oder geschweige denn Worte dafür gefunden hatte, udn dennoch ist auch NARM kein Wundermittel sondern ein Weg, jedoch kann sich soooo viel verändern im Laufe der Zeit. Also kurz ausgedrückt, ich verstehe deine Verzweiflung, gerade auch noch durch Covid long, die manchmal sehr stark da ist, UND vieles ist und wird heilbarer, weil wir als Menschheit auch präziser werden darin, was uns fehlt und was wir brauchen und weil du diesen Weg für dich gehst.

Alles Liebe
Kirsten

Antwort Stéfanie:

Jaaaa, gehört werden!!!!!
Danke für all das Kirsten. Ich möchte meine Protestenergie finden, meine Kraft. Die fühlt sich etwas gefährlich an. Aber die brauche ich zurück!

Ganz liebe Grüsse
Stéfanie

 P.S. Und ja, es tut gut zu wissen, dass auch die Menschheit Fortschritte macht in der Traumatherapie.

 Wenn wir keinen Zugang zu unserer Protest-Energie haben, ist es oft deswegen schwer mit der Protest-Energie/Frustration unserer Kinder

P.P.S.  Mir ist in der Zwischenzeit auch noch aufgefallen, dass mein Sohn (6) diese Protestenergie, die ich selber so sehr manchmal vermisse, sehr stark lebt. Mittlerweile wo ich seine "Aggressionen" nicht mehr so persönlich nehme, staune ich manchmal echt mit welcher Klarheit und Bestimmtheit in Stimme, Gesichtsausdruck und Körpersprache er für sich einsteht und "protestiert"! Kein Wunder, dass mich das selber seit Jahren so arg triggert! Das ergibt doch alles irgendwie Sinn.

Inwiefern macht es Sinn, meinen Eltern zu sagen, was nicht gut war?

Frage vo Julia

Ich habe eine Frage zu der Scham und entwicklungsspez. Taumata. Inwiefern konfrontiere ich meine Eltern damit bzw. Ist das jetzt systemisch nicht eher meine Verantwortung?

Antwort Kirsten

Liebe Julia,

Ja das ist eine spannende Frage! Es ist systemisch heute deine Verantwortung, genau.

Jedoch innerlich in der Rückverbindung mit uns selbst, also den Anteilen, die durch die ungeeigneten Erfahrungen aus unserem Bewusstsein verloren gingen, ist es für unseren Heilungsweg sehr wichtig, das, was nicht gut für uns war, aussprechen zu können. Oft ist da eine enorme Ladung drin. Das muss jetzt nicht für jeden so sein, jedoch oft ist das bewusste Fühlen unserer Protest-Energie, was seine eigenen Herausforderungen mit sich bringt, gekoppelt mit einer starken Rückverbindung mit uns selbst, insbesondere auch der Botschaft der Protest-Energie. 

Heute Samstag Abend wird an Euch eine Mail rausgehen mit dem Zusatzhandout "Agency und Gefühle" aus Session 8, welches einen Teil dieser Rückverbindung und der Rolle von "primären Gefühlen" spricht. Vielleicht interessiert es dich ja, dort zu deiner Fragen noch mehr Antworten zu finden.

In der inneren Arbeit kann es sein, dass wir sehr starke und sehr aggressive Impulse und Gefühle unseren Eltern gegenüber entdecken, die wir vielleicht zu lange überdeckt haben. Das zu fühlen und immer mehr Toleranz für diese Lebenskraft zu bekommen, die diese starken Gefühle mit sich bringen, ist heilsam. 

Zu frühe in Praktiken von Vergebung zu gehen bringt nichts, weil wir innerlich einen Umweg gehen, für den wir eigentlich noch nicht wirklich bereit sind. Nach der tieferen Intergration der Protest-Energie und/oder anderen primären Gefühlen wie Trauer ist es für uns oft einfach, freier mit unseren Eltern in Kontakt zu gehen. Freier meint manchmals auch, klarer ob es gut ist, was okay ist und was man vielleicht auch nicht möchte.

Dann kann es auch sein, dass wir unsere Eltern konfrontieren oder wichtiges in Kontakt bringen, nur sind wir dann nicht innerlich davon abhängig, ob es landet bei ihnen oder nicht. Ob sie es hören oder nicht. Es kann eine Konfrontation sein oder ein gemeinsames Gespräch. Manchmal hat man dann auch gar nicht mehr das Bedürfnis, den Eltern etwas zu sagen.

Natürlich können wir auch früher bestimmte Informationen in Kontakt bringen, es ist einfach oft frustrierend oder verletzend, wenn wir noch mehr im Kindbewusstsein sind und uns so sehr erhoffen, dass sie das jetzt heute mal endlich verstehen, sehen können, fühlen können etc...

Sei lieb gegrüsst,
Kirsten 

Mein Sohn (fast 2) will immer nur mit mir sein

Meine Frage bezieht sich auf eine Beobachtung. Unser Sohn (fast 2) möchte jetzt immer häufiger, dass ich bestimmte Dinge mit ihm mache z.B. Auf den Topf gehen, ihn ins Auto setzen, ihn unterwegs mit einem Wagen in dem er sitzt schieben usw. Auch wenn mein Papa dabei ist - er verlangt jetzt immer öfter explizit nach Mama. Obwohl wir eigentlich fast immer zu dritt unterwegs sind und den Großteil des Tages miteinander verbringen.

Dazu noch die Information, dass mein Mann von Zuhause aus arbeitet und er auch von der Geburt an bis jetzt immer wieder Elternteil hatte und sehr viel Zeit mit uns verbringt. Wenn unser Sohn jetzt nach mir ruft und ihn teilweise sogar wegschickt, dann schmerzt ihn das und ich weiß nicht, woran es liegt und wie ich gut damit umgehen kann. (…)

Je nach Situation reagiere ich unterschiedlich darauf, wenn es ihm gut geht und wir unterwegs sind, dann sage ich zum Beispiel: „ja, ich bin hier und das macht Papa gerade.“ Wenn er aber eher müde wirkt und ich das Gefühl habe, dass er bei mir landen möchte (oder öfter fragt), dann übernehme ich einfach.

T: Ich würde dich einladen mal ganz Abstand zu nehmen von der Vorstellung, dein Kind müsste quasi fair seine Liebe, seine Leidenschaft, wo es gerade sein will, verteilen. Das ist in der Regel nie so. Die meisten Kinder haben eine Nr 1 - das ist sehr oft in den ersten Jahren die Mama, aber auch immer wieder der Papa. Oftmals dreht es sich dann, wenn die Kinder älter werden und dann ist plötzlich der/diejenige wo sie mit 2 Jahren auf keinen Fall sein wollen, plötzlich der/diejenige wo alles Interesse hin geht.

Ich beschreibe das jetzt bewusst stärker als du es überhaupt beschrieben hast bei euch zu Hause, nur um dir klar zu machen, dass das wirklich etwas völlig Normales ist, dass die Kinder Lieblingsbindungspersonen haben.

Und sie sind eben auch unreif und deshalb können sie in dem Moment, wo sie z.B. unbedingt mit dir sein wollen nicht in sich fühlen, dass da ja auch Liebe für den Papa da ist sondern dann klingt das eben so: "Nein, nicht der blöde blöde Papa" oder nein, warum schon wieder die Mama, von der will ich gar nie wieder im ganzen Leben ins Bett gebracht werden!"

Diese Aussagen brauchen dann einfach eine liebevolle Anerkennung dessen, dass es eben soooooo viel schöner für das Kind IN DIESEM Moment wäre, wenn die geliebte andere Person da wäre - und mehr nicht. Es braucht keine Richtigstellung wie "aber du hast den Papa doch auch lieb" oder bitte auf keinen Fall so was wie "das tut der Mama aber weh wenn du so böse von ihr sprichst", alles das negiert einfach nur den jetzigen Gefühlszustand des Kindes.

Wenn es in der betreffenden Person (ich habe einen angenommenen Sohn, bei dem ich sehr oft die 2.Geige spiele und weiß wie schmerzhaft das für junge Anteile in mir zuweilen sein kann) etwas auslöst ist das gut, wenn diese sich darum kümmert, aber das Kind würde ich da ganz rauslassen.

Ich schreibe das alles allgemeiner gefasst und gar nicht direkt zu dir, ich hab den Eindruck, du machst das eh voll fein in der Art wie du es beschreibst: "wenn es ihm gut geht und wir unterwegs sind, dann sage ich zum Beispiel: „ja, ich bin hier und das macht Papa gerade.“ Wenn er aber eher müde wirkt und ich das Gefühl habe, dass er bei mir landen möchte (oder öfter fragt), dann übernehme ich einfach."

Unreife Kinder und Routinen des alltäglichen Lebens: Mein Sohn (knapp 3) und das Händewaschen

Mein Sohn (knapp 3 Jahre) will nie Händewaschen, wenn wir nach Hause kommen, er sagt das schon vor der Tür. Dann flitzt er in ein Zimmer um dem zu entgehen. Ich biete verschiedene Waschbecken / Badewanne an und schnappe ihn mir notfalls, meist mit Humor verbunden, um den Protest einzudämmen. Geht irgendwie. Dann wäscht er die Hände und fängt dabei an, mit dem Wasserhahn total zu spritzen, was mich echt stresst, denn ich will nicht jedes Mal aufwischen hinterher. Meist zerre ich ihn also weg (im entspannten Zustand sage ich es ruhig mehrmals und schiebe dabei seine Hand sanft vom Wasserhahn weg, ich muss ja gleich tätig werden, sonst steht schon alles unter Wasser). So der Ist-Zustand. (…)

T: Es hört sich bei dieser Frage so an, als wärst du mehr mit dem beschäftigt, wohin du deinen Sohn bringen willst als mit dem in Beziehung treten. Auch als wäre dein Tempo schneller als seines und es gäbe Zeitstress. Vielleicht hast du Lust mal das Experiment zu machen, mal deinen Sohn zu spielen und dein Mann oder auch eine Freundin falls er da nicht offen ist dafür, spielt dich so, wie du es eigentlich machst. Und du kannst mal Feedback geben wie es sich aus der Rolle deines Sohnes heraus anfühlt. Und dann soll er oder sie sich mal wirklich Zeit nehmen und sich auf dein Tempo einschwingen und das vorrangige Ziel ist, sich auf dich als Kind einzuschwingen. Da wäre ich neugierig, was du als Kind erlebst.

Nachfrage: Ich glaube ich kriege mit, was du meinst – und habe in den letzten Tagen auch schon deutlich entspanntere Erfahrungen gemacht. Was mir fehlt, ist die Antwort darauf, wie ich damit umgehe, wenn in einer Situation einfach Druck herrscht, ein bestimmtes Ziel zu erreichen (und ja, deshalb bin ich im Zweifel mehr damit beschäftigt, ans Ziel zu kommen, als mit ihm in Verbindung zu sein – gelingt dann eben auch mal nicht). Nehmen wir vielleicht ein deutlicheres: Wir sind im Restaurant auf der Toilette und müssen danach Hände waschen. Das muss aus meiner Sicht mit Corona gerade einfach geschehen und ich kann auch nicht zulassen, dass er davon stürmt und auch nicht eine halbe Stunde mit ihm auf der Toilette verbringen. Ich denke, dass es super ist, solche Situationen so weit wie möglich zu vermeiden, aber sie tauchen auf. Wie gehe ich damit um? Augen zu und durch, Kind packen, Hände waschen und fertig? Oder gibt es etwas Sanfteres? (Ich glaube, die Frage ist auch spannend für viele, ich warte also auch gerne auf die Seite…)

T: Nein, das Kind packen und einfach durch finde ich auf Dauer ganz und gar nicht eine sinnvolle Möglichkeit. Die klappt mal, aber auf Dauer wird das Leben mit unseren Kindern dann sehr sehr anstrengend und nervig. Weil sie einfach nicht lernen uns als Leuchtturm zu sehen dem sie ganz selbstverständlich folgen.

Ich wäre neugierig tiefer zu schauen, warum dein Kind an der Stelle so wenig erreichbar ist. Warum er dir nicht folgt. Ich kann da an dieser Stelle nur Vermutungen anstellen und Fragen stellen, das wäre für mich eben auch wieder eine Stelle wo es eher ein Coaching braucht.

Schau einfach mal, ob da was in dir Resonanz macht:

Das eine ist ja der reale Druck den wir im Aussen haben - das mit dem Händewaschen, die Bahn, die wir erwischen müssen, der Termin, der wartet und das Kind, was uns nicht gehen lassen will...

Die spannende Frage ist, wie wir innerlich damit umgehen. Je schneller ich im Aussen was machen muss, desto mehr verlangsame ich innerlich.

Und mir scheint es, dass du das nicht tust. Es braucht an der Stelle wirklich Kontakt mit unseren Kindern. Ohne viele Worte aber ganz klar. Bevor mit ihnen losgehen und wenn wir dann am Waschbecken sind auch.

Und dann taucht die Frage in mir auf, ob es dir schwer fällt, deinem Kind in Bezogenheit Nein zu sagen oder eine Weisung zu geben auf die er vielleicht mit großem Protest reagiert? Also liebevoll klar zu sagen "wir waschen jetzt die Hände" und er kann nicht weg rennen aber du packst ihn auch nicht einfach oder schimpfst oder reagierst sonstwie. Sondern lächelst und kommentierst auch nicht seinen Unmut, sondern bist einfach mit ihm. Das bezieht sich nicht nur auf die Situation im Restaurant sondern ist mehr generell eine Frage an dich. denn wenn du das sonst nicht machst, geht es natürlich unter Druck erst recht nicht.

K: Ich möchte dazu noch mehr schreiben als all das wunderbare, was Teresa schon schrieb. Weil ich auch glaube, dass deine Frage viele kennen. Also ich schreibe an dich aber auch an viele anderen.

Ich glaube auch, dass es wichtig ist zu schauen, wie Teresa schon geschrieben hat, wie dein innerer Zustand ist. In meiner Erfahrung sind Übergänge, wo wir was aufräumen müssen oder eben Abläufe, wo es darum geht die Hände zu waschen und so weiter oft Momente, die eigentlich uns nicht Spass machen. Wo wir in einen Art Funktionsmodus kommen. Ein Modus „um zu“. Wir wollen die Situation dann so schnell wie möglich hinter uns bringen und sind, wie Teresa schrieb, dann viel zu schnell oder gar nicht mehr im Kontakt mit der Geschwindigkeit und der Art und Weise, wie unsere geraden unreifen Kinder die Welt erleben. Oder wir tricksen sie immer wieder so ein bisschen geschickt aus, damit sie kooperieren.

So von dem her glaube ich könnte es vielleicht sinnvoll sein, zuerst in den Situationen, wo es weniger äußeren Druck gibt, damit zu experimentieren, diese Abläufe und Übergänge in einem neuen Mindset, einer neuen inneren Haltung zu erleben. Nämlich als Momente der Begegnung und der Innigkeit. Wo ich mir als Mutter (oder Vater/Fachperson) alle Zeit der Welt gebe und den Fokus mehr darauf lege: jetzt gibt es eine Chance für Kontakt, für Innigkeit und dass wir etwas gemeinsam erleben. Ich weiche den Momenten auch nicht aus und versuche sie zu umschiffen.

Ich sage oder zeige dem Kind, was wir gleich machen (Leuchtturm) und gebe dann ihm und mir Zeit. Wenn es davon rennt mal warten, ob es wieder kommt und schon mal die Seife bereit mache und ich beginne vielleicht die Hände zu waschen und mal innerlich einatmen und ausatmen und ich einfach weiss, unreife Kinder brauchen Zeit und je mehr sie solche Momente mit uns als gut erleben, desto einfacher wird das Kooperieren. Und wenn das Kind dann gar nicht kommt, dass ich zu ihm gehe, mir zuerst einen Moment Zeit nehme zu sehen, was es gerade macht, womit es vertieft ist, zuerst zuschauen, mit ihm wirklich in Kontakt zu gehen und wenn mehr Kontakt zwischen uns da ist, ich es nochmals freundlich zu mir nehme und sage, „Wir gehen jetzt noch Hände waschen.“. Und dann wieder, das ganze als etwas zu sehen, wo ich uns Zeit gebe, ich fühle, ob es noch einen Moment braucht und einfach mal aufstehe und warte, die Hand hinhalte und warte. Ich immer wieder auch auf meine Kraft als Leuchtturm vertraue. Wenn es sagt, es will nicht, dem einfach mal zuhören und nicht viel sagen und vielleicht nach einer Weile etwas freundliches, einladendes wie „Ich helfe dir dabei...“ oder „Mama trägt dich rüber.“. Es braucht also einfach Zeit, aber unbedingt auch ein dran bleiben! Viele geben dann auf. Und ja, wenn wir dann im Badezimmer gelandet sind und die Hände waschen, wie ist es dies als einen Moment der gemeinsamen Innigkeit zu erleben? Jetzt erleben wir was gemeinsam? Jetzt tanken wir beide im gemeinsamen Händewaschen? Wo ich vielleicht jeden Finger des Kindes langsam abtrocken, es anlächle, ein Verslein spreche...

 Ja das alles mag total unmöglich klingen für einen normalen Alltag, indem wir funktionieren „sollten“. Doch für das Leben mit unreifen Kindern ist Funktionieren nicht möglich. 

Es stärkt absolut die Verbindung und vor allem stärkt es unsere Führungskraft und Leuchtturmkraft. Die Kinder spüren, uns zu folgen ist warm und gut. Nach dem Händewaschen oder nach anderen solchen Situationen sind unsere Kinder genährt und tauchen in eine Spiel ein und wir haben dann Zeit und Ruhe, entweder für das nächste Kind oder für das Kochen oder oder oder. Und wenn wir das von Beginn an so leben, stärkt das immer mehr unser gemeinsames Vertrauen und wir können in Druck Situationen von dem Platz des Vertrauens in uns und mit unserem Kind agieren.

Subtiles Druck machen bei Kindern

Teil 2 der Frage zu unreifen Kindern:

Ich fände interessant, wenn ihr noch ein paar Beispiele dafür nennen würdet, wann wir Druck machen, vor allem auch subtil – ich glaube, das ist soo tief in meinem System aus meiner Kindheit, dass mir das gar nicht immer bewusst ist. Und gibt es schnell wirkende Alternativen in Situationen, in denen definitiv schnell was geändert werden muss? (Wasserhahn muss aus, Kind muss von einer gefährlichen Stelle weg, muss aufhören mit Steinen zu werfen etc. – am öftesten erlebe ich, dass Eltern dann bis 3 zählen und die Kinder kurz davor kuschen – finde ich furchtbar) Mir fällt irgendwie nur ein, körperlich einzugreifen, was aber ja auch übergriffig ist und mit zunehmendem Alter vermutlich schwieriger…

Die zweite Frage hat viel mit der ersten zu tun: Subtiler Druck entsteht immer dann wenn wir ein Ziel verfolgen und darüber den Kontakt zu den Kindern verlieren. Sie nicht mehr wahrnehmen können. Vor allem sind wir dann meistens einfach zu schnell. Unsere Ungeduld, unsere Genervtheit, unser Stress übt viel subtilen Druck auf unsere Kinder aus. Dann natürlich das, was du beschreibst: alle wenn... dann Drohungen oder auch Belohnungen.

Unsere Vorstellung, was gute Beschäftigungen, Verhaltensweisen, Gefühlszustände sind und was schlechte.

Dass wir denken, unsere Kinder müssten etwas bestimmtes in einem bestimmten Alter können, selber machen. ich anziehen, aufs Klo gehen, einschlafen, generell selbstständig werden.

Und hinter dem unsere Angst, dass wir vielleicht etwas falsch gemacht haben, dass wir selbst nicht gut sind, nicht richtig. Das ist wohl die Wurzel des Druck machens.

Zu den Hintergründen sprechen wir in der Session 6 ganz ausführlich. 

Unterscheidung zwischen Unreife überbrücken und Kindzentrierung:

Frage: Ich neige dazu, aus Angst vor lauter Konfrontation diese mit tausend kleinen vorbeugenden oder intervenierenden Aktionen zu vermeiden – und einige davon scheinen mir sinnvolle Überbrückungen von Unreife. Aber wie kann ich das genau unterscheiden – gibt’s dafür Anzeichen / einen Test für mich?

K: Ich glaube, dass es ganz einfach ist;-) nämlich immer dann, wenn wir innerlich aus Sorge oder Angst vor einer Konfrontation ausweichen oder scheinbar „überbrücken“, dass wir da unser Leuchtturm sein verlassen haben. Es ist eine unheimlich wichtige Frage, die du stellst! Meine Erfahrung ist nämlich, dass dieses Ausweichen die gesamte Energie im Familiensystem immer angespannter macht und es uns im Laufe der Zeit sehr viel Kraft fordert. Ich glaube, dass es wichtig ist, in diese Momente rein zu gehen. Die Kinder müssen ja auch sooo viel lernen, wie man sich verhält! Und je mehr wir das Vertrauen zwischen uns und den Kindern aufbauen, dass Momente der Weisung und Orientierung nicht negativ sind, desto einfacher wird es. Es braucht einfach Zeit, dass sie so reagieren dürfen, wie sie wollen! Dass wir ihnen die Frustration zulassen (darüber spreche wir in Session 8 noch eingehender). Dass wir uns gaaaaanz gaaaaanz viel Zeit geben. Dass wir in Verbindung bleiben. Dass wir zuversichtlich sind, dass sie das schon verkraften werden! Dass wir, wenn sie wegrennen oder nicht zuhören, uns Zeit geben. Innerlich einatmen, ausatmen, bevor wir was machen.

Neben der aktuellen Situation macht es Sinn, tiefer zu forschen, warum mir das Angst macht. Warum macht mir die Konfrontation Angst? Diese Frage sich näher anzuschauen kann für uns sehr reich sein und ein Geschenk.

Zum Medienkonsum von kleinen Kindern

Frage: Zum Medienkonsum und der Aussage von Teresa, dass Fernsehen und Computerspiele für unreife Kinder völlig ungeeignet sind (also bis 7??): Wir haben keinen TV und schauen nur auf Notebooks Filme, wenn unser Sohn im Bett ist, insofern läuft nie was im Hintergrund und unser Sohn hat auch bis zweieinhalb nichts gesehen. Mein Mann ist aber extrem dagegen, digitale Medien einfach pauschal zu verteufeln und so gibt es nun die Abmachung, dass er einmal pro Woche 20 min mit unserem Sohn YouTube-Filme von Baggern, Kränen, Lastwagen oder auch mal Tieren anschaut. Meist ohne Ton und sehr wenig geschnitten, das sind meist Amateurvideos. Es fing mit einem ganz langsamen Chamäleon an, das die Farbe wechselt – er sagte, im Buch versteht unser Sohn doch nie, was das Tier ausmacht. Ich würde mich freuen von euch zu hören, wie ihr solche Videos seht (im Gegensatz zu dämlichen, schnell geschnittenen Kinderfilmen) bzw. womit ihr sämtlichen Medienkonsum für unreife Kinder ausschließt – wenn das so gemeint war. Wenn ihr außerdem Studien kennt bzw. Informationsorte, wo ich etwas dazu finde, freue ich mich auch. Mein Mann liest nämlich tatsächlich viele aktuelle wissenschaftliche Artikel und sagt es gab gerade wieder eine Meta-Studie, die belegt, dass Medienkonsum überhaupt keine negativen Auswirkungen auf Kinder hat. Hm, und da steh ich dann. Sicher gibt es diese Studien in jede Richtung, meine Frage wäre, welche bzw. welche Ergebnisse eurer Meinung nach wichtig sind.

K: Die Gehirnentwicklung der Kinder ist für uns ausschlaggebend, warum Medienkonsum kontraproduktiv ist für jüngere Kinder. In den ersten 7 Lebensjahren muss das Gehirn konkrete Erfahrungen machen, damit die Erfahrungen wirklich neue Nervenbahnen bilden. Konkrete Erfahrungen sind sensomotorische Erfahrungen. Erfahrungen also mit den Händen und mit den Sinnen und mit dem Fühlen, die über die Motorik und über den Körper gehen. All diese vielen, vielen konkreten Erfahrungen bauen die Hardware, also den Boden für alle weiteren Lernprozesse, auf die sie darauf aufbauen können. Ab 7/8 Jahren beginnen die Kinder immer mehr ihre Erfahrungen miteinander in Beziehung zu bringen, das konkret-operative Alter beginnt. Sie stellen sich vor, wie sie was machen möchten und probieren es dann aber immer noch ganz konkret aus.

Medien sind nun mal nicht konkret. In dem Beispiel vom Video könnte man sagen, warum nicht ein Video schauen statt ein Buch? Die Frage, die jedoch aus meiner Sicht viel wichtiger ist, warum soll unser Sohn schon so viel vom Chamäleon verstehen? Es ist eine wunderbare Frage, weil sie so viele Menschen haben. Wir wollen ja so gerne, dass unsere Kinder die Welt verstehen lernen. 

Wir können diese Reifung jedoch nicht Beschleunigen. Wir tun es zwar oft, jedoch hat das Folgen, wenn Menschen fremdbestimmtes Wissen in sich abgebildet haben, wozu sie nicht wirklich einen inneren Zugang haben. Echte Intelligenz entsteht, wenn Kinder wirklich begreifen, in ihrem Tempo. Begreifen ist konkret. Die Kinder sehen die Welt nicht vollkommen, sondern aus einem unreifen Gehirn. Sie sehen die Welt oft unlogisch und unsere Aufgabe ist es, mit ihnen zu stauen, ah, so sehen sie die Welt gerade, so „erklären“ sie sich die Dinge! Und schon ein paar Wochen später sehen sie die Welt wieder anders, weil sie die ganze Zeit am Lernen und sich Entwickeln sind. Mit ihnen zu staunen ermöglicht, ihnen einen Boden zu schaffen, der sie später in der Auseinandersetzung mit der digitalen Welt brauchen. Wir können den Kindern eine super geeignete Hardware zur Verfügung stellen, indem wir die Reifung respektieren. Sie werden uns dann im Laufe der Jahre erstaunen, mit ihren Beobachtungen und Erkenntnissen. Also der Aufbau der Hardware ist viel wichtiger als die Wissensabspeicherung! Ist die Hardware da, kann sie auf beliebig viele Situationen angewandt werden, weil wahre Intelligenz ist kreativ.

Kinder ab 3 Jahren sind in einem Alter, wo sie sehr viel Wissen aufnehmen, jedoch passiert das Aufnehmen über einen offenen Geist, den Kinder in dem Alter haben. Das Wissen wird ganzkörperlich aufgenommen und vor allem gefühlt. Es ist schade, wenn wir Erwachsene zu viele Dinge erklären wollen. Es ist ein Unterschied, Bücher zu schauen über Tiere beispielsweise und schon einfach die Fakten zu erzählen, dann gemeinsam zu staunen und immer wieder zu fühlen, wo ist das Kind gerade in seinem Staunen als wenn wir versuchen, ihnen die Dinge zu erklären, wo wie wir glauben, dass die Welt logisch erklärbar ist. Es ist eine Einladung, immer tiefer der Reifung eines Kindes zu vertrauen, der Prozess dauert 24 Lebensjahren! 

https://eliant.eu/home/

https://eliant.eu/fileadmin/user_upload/de/pdf/Faltblatt_Medien.pdf

Weisung geben bei unreifen Kindern: Tochter turnt an glitschiger Badewanne

Frage: Wie kann ich mein Kind vor einer potentiellen Gefahr „warnen“ ohne es durch diese Warnung unnötig zu beängstigen (denn es ist ja in erster Linie meine Sorge), bzw. es dahingegen zu prägen, dass es womöglich durch mich eine Angst und fast schon Phobie entwickelt? Ich nehme ein Beispiel:Ich möchte nicht dass meine Tochter auf der Kante der Badewanne rumturnt, besonders nicht wenn zuvor gebadet wurde, denn es ist nass, rutschig und rundherum Steinboden und -kanten. Sie möchte aber erkunden, erkunden, erkunden, klettern und erforschen. Ich merke dass ich das echt Angst krieg, dass sie sich ernsthaft weh tut. Ich biete ihr alternative Klettermöglichkeiten, die aber leider nur halb so interessant für sie zu sein scheinen. Ich tu mich schwer, hier die Grenze zu setzen ohne ihr meine Angst zu übertragen. Meine Mutter kam dann nämlich dazu und meinte, „dein Onkel ist hier mal gestürzt und hatte eine Platzwunde“ – diese bildliche Erklärung hat sich für mich nicht stimmig angefühlt und sie war auch sichtlich irritiert.

T: Danke jetzt habe ich mehr ein Bild. Das ist so eine Stelle wo es um deine Rolle geht, hier elterliche Führung einzunehmen und einfach sehr liebevoll und klar zu sagen, dass sie hier nicht turnen kann, weil das zu gefährlich ist. Wenn sie balancieren will kann sie das dort und dort tun (wenn das gerade so eine Leidenschaft ist würde ich schauen, dass du ihr da eine Kletter- und Balanciermöglichkeit z.B. im Wohnzimmer baust) aber nicht hier im Bad. 

Es braucht dabei kein großes Thematisieren, was da alles Schlimmes passieren kann, das ist an der Stelle nicht hilfreich. Es braucht einfach gar keine Erklärung ,außer dass es hier gefährlich ist und sie woanders ausprobieren kann. Stell dir dabei innerlich die Reisebgelieterin vor, die den Leuten sagt, dass sie in einem moslimischen Land kein schulterfreies Top anziehen dürfen.

In anderen Situationen, wo die Kinder klettern beginnen und vielleicht auch fallen können - ohne dass ihr Gesundheit ernstlich in Gefahr ist - ist es hingegen die Aufgabe für uns Eltern da mit unserer Angst in uns zu sein und uns zu entspannen dass wir nicht die ganze Zeit zusammenzucken wenn das Kind mal stolpert. Meine Erfahrung ist, wenn wir ganz achtsam mit den Kindern umgehen und sie da ihre Schritte gehen lassen entwickeln sie selbst ein sehr gutes Gespür dafür was sie sich zutrauen können und was zu gefährlich ist. 


Wie merke ich denn, dass ich in guter Verbindung bin mit meinem Sohn (9 Jahre)?

Mutter mit Sohn (9 Jahre)

Frage 1: Wie merke ich denn, dass ich in guter Verbindung bin mit meinem Sohn?

Frage 2: Er verbringt ganz viel Zeit mit Comic-Lesen und würde auch viel Handyspiele spielen, wenn ich ihn lassen würde. Für mich hat das etwas von "weggehen". Ich selbst habe in meiner Jugend tonnenweise Bücher verschlungen, was einerseits schön war, aber andererseits war es ein Ausdruck von emotionalem Alleinsein. Was tun?

Mein Sohn hatte - wie ich auch - keine Trotzphase. Er ist mir manchmal zu kooperativ, es gibt wenig, was er unbedingt will. Ist das charakterbedingt oder eine zu starke Zurücknahme seines Eigenwillens?

K: Vielen Dank für deine Frage. Das ist natürlich eine Frage, auf die wir jetzt so schriftlich nur beschränkt darauf eingehen können, von dem her schaue einfich, was für dich da wirklich Sinn macht. Also ich schreibe ein paar Dinge und du schaust, was macht Resonanz und was nicht!

Zu deiner Frage der Verbindung: Wir werden im Laufe des Kurses noch mehr darüber sprechen. Hier einfach mal ein paar spontane Fragen: 

Wie ist denn euer Kontakt, kommt er zu dir und schüttet sein Herz aus?

Zeigt er sich mit dem, was ihn beschäftigt und du kannst zu hören?

Fühlst du dich nahe mit ihm?

Kommt er gerne zu dir zwischendurch und fühlt sich geborgen bei dir?

Schau doch, ob du die Fragen als neugierige Forschungsfragen nehmen kannst und mal schauen, falls sich eure Beziehung eher etwas kühler anfühlt, das Online Training dafür zu nutzen, mehr und mehr zu schauen, wie kann er wieder wärmer werden?

Kinder brauchen nicht in der üblichen Trotzphase zu sein, jedoch kann es sein, dass sie mit uns ungute Erfahrungen machen, weil wir (innerlich und oder äusserlich) sehr schnell in Stress geraten, wenn sie sagen, was sie wollen und dass die Kinder dann immer mehr ihre Energie zurück nehmen. Das könnte ein Möglichkeit sein. Gerade wenn wir selber unser Wollen und unsere Energie schon aufgrund unserer eigenen ungeeigneten Bindungserfahrungen vielleicht zurück genommen haben, kann es auch oft sein, dass wir da auf eine besonders sensible Stelle treffen zwischen uns und unseren Kindern.

Dann kann es auch sein, dass er unbewusst spürt, seine Interessen und sein Willen und seine Ideen haben nicht so ganz Platz. Wenn wir als Eltern vielleicht gestresst damit sind oder wir keine Zeit haben oder wir vielleicht nichts mit ihren Ideen anfangen können etc., dann kann es schon sein, dass sie sich auch noch mehr zurückziehen. Weil ihnen da die Resonanz fehlt, das Leuchten in unseren Augen und die Begeisterung in unserem Herzen. Wir werden noch mehr in den folgenden Sessions darüber sprechen.

In jedem Fall ist es immer interessant zu schauen, was auch immer die Hintergründe  sind, dass er viel Zeit mit Handy spielen etc. verbringt, was ist denn das, was ihm Spass macht? Wie kannst du dich beginnen aufzudrängen, auf ne gute Art und Weise? Zuerst mal dich für die Handy Spiele interessieren? Dir Zeit zu nehmen mit ihm was zu machen, was er gerne mag. Neugierig ihm zuzuhören, wenn er erzählt. Das, was ihn ein bisschen interessiert zu fördern, ihm Möglichkeiten zu bieten, damit mehr in Kontakt zu kommen, auszuprobieren etc. So, nun wünsche ich dir alles Liebe und viel Sanftheit beim Erforschen! 

Elterliche Führung bei 8-jährigem Sohn, der stark im Alpha ist.

Ich habe eine Frage in Bezug auf ein Thema, das ich ständig mit meinem 8-Jährigen Sohn habe.

Es geht darum, dass es hier in unserer Gegend sehr sehr viele "Zum Verschenken"-Kisten gibt. Er will jedes mal was daraus mitnehmen. Zu Hause stapeln sich die Dinge, mit denen er in der Regel nicht so oft spielt. Das Kinderzimmer ist sehr chaotisch und man kann kaum darin treten.

Ich sage ihm dann, dass er die Sachen nicht mitnehmen darf, weil wir keinen Platz mehr haben. Er ignoriert mich dann immer und packt die Sachen trotzdem ein oder versteckt sie unter seiner Jacke während ich mit seinem Bruder oder etwas anderem beschäftigt bin.
Wenn ich mal hartnäckig bleibe, diskutiert er mich in Grund und Boden, warum er die Sachen doch mitnehmen darf und dass wir ja wohl genug Platz hätten usw usf... Und dass ich nicht über ihn bestimmen kann..

Ich bin selbst oft hin und her gerissen. Irgendwie denke ich, dass er schon mal bestimmen können muss, was er mitnimmt, aber eben nicht alles. Er nimmt z.B. auch Schutzbleche von Fahrrädern und ähnliches mit. Er liebt Schrott ;)

Dazu muss ich noch sagen, dass mein Sohn ein Alpha Kind ist, wie ich jetzt ganz frisch heraus gefunden habe. Ich habe große Mühe, meine Führungsrolle als Mutter einzunehmen - einfach auch aus meiner eigenen traumabelasteten Geschichte heraus (Aufwachsen mit einer herrischen, kaltherzigen Stiefmutter und einem Vater, der sich auf Arbeit "versteckt" hat).
Mein Sohn lässt sich so gut wie gar nicht führen und will über alles und jeden bestimmen. Wenn man ihn darauf anspricht, leugnet er es und sagt, das Gegenteil sei der Fall.

Aber nun zu meiner konkreten Frage:
Wie kann ich meinem Sohn bei der Geschenke-Kiste Thematik liebevoll eine Grenze setzen oder sollte ich da überhaupt eine Grenze setzen?? Inwiefern sollte er da auch selbst bestimmen dürfen?
Ich habe schon versucht, dass er etwas altes gehen lassen muss, wenn er etwas neues mitnimmt. Das will er auch nicht. Er hängt sehr an materiellen Dingen.
Meine aktuelle Methode ist, dass ich ihn letztenendes doch fast alles mitnehmen lasse und wenn er dann mal nicht da ist, sortiere ich den Großteil wieder aus und er merkt es gar nicht, weil er immer so krass viel mitnimmt. Aber irgendwie erschöpft mich das total, weil ich ja als alleinerziehende Mutter ohnehin schon so viel um die Ohren habe und nicht jede Woche eine Entrümpelungsaktion starten möchte.

Hast Du einen Ratschlag für mich?

Antwort 1:
Danke erstmal für deine ausführliche Beschreibung von was dich beschäftigt.
Wie ich mich erinnere hattest du schon öfters fragen zu das Thema Führung bei deinem ältester Sohn. Ich bewundere da deine Neugierde dran zu bleiben und sehe auch dass es nicht anders geht.
Zu eure Beziehung, die ich nicht kenne, möchte ich sagen, dass du vielleicht ihm mal einen Bindungs-Angebot machen könnte, wobei ihr mehr zueinander findet. Mal zusammen zu planen (zb) wie du ihm einen bestimmten Platz zur Verfügung stellst, worin er seine gefundene Schätze sein lassen kann. Dabei mit ihm dann verabredest, dass das der einzige Raum dafür ist und du die Sachen nicht überall möchtest im Haus.
Es ist nur so ein Beispiel, das aber wirklich mit ihm zusammen machen in Kontakt mit ihm.
Ja, und es sind so die kleine Schritte, die Veränderung und Bewegung in unserem Leben bringen.

Daneben gibt es noch dein Bedürfnis ihm bessere Führung anbieten zu können, dass ich auch in deiner andere vorherige Fragen gehört habe, dass Du dich da beobachtest, dass es dir schwer fällt ihn zu führen. Vielleicht ist es eine gute Idee für dich da Unterstützung zu holen, therapeutisch, als Selbstfürsorge, weiss leider nicht ob du das schon machst.

Antwort 2:
Ich glaube, es ist eine sehr wichtiger Moment, dass du mehr erkennst, wie dein Sohn ins Alpha geht.
Kinder, die mehr im Alpha sind, lassen sich einfach auch wirklich mega schlecht führen. Also es ist dann wie doppelt schwierig, wenn sie sich das schon so angewöhnt haben, dann merke auch ich, wie es echt ganz schön einen Moment braucht, dass sie sich wieder beginnen zu öffnen und weicher zu werden und erst dann findet Kooperation statt. Sie tun dass bei mir nur, wenn sie sich super sicher fühlen. Sie checken es noch ein paar mal ab, fordern mich heraus und so weiter und es braucht echt was, sich davon nicht ablenken zu lassen, mitzugehen aber dennoch zu fühlen: "Aaah, du hast eigentlich Angst, dich zu öffnen und möchtest fühlen, ob es sicher ist mit mir, ob ich in meiner weichen Kraft gelassen da bin."

Ich weiss, dass es ein echter Weg ist mutig mehr in unsrer Kraft zu kommen, wenn wir selbst, wie du und wie soo viele unter uns, Führung so negativ und schwierig erlebt haben. Und dass es einfach grossartig ist, wenn wir mehr sehen, "Aahh, es macht Sinn, dass wir keine Führung übernehmen wollen, dass uns diese Kraft an was schreckliches erinnert.". Und gleichzeitig zu sehen, dass ist die mega wichtige Forschungsstelle, wo deine Kinder rufen: "Mama, Mama, bitte kümmere dich darum, wir möchten doch einfach nur dich in deinem ganze Wesen fühlen!".

So ist es ein Weg, in uns selbst noch mehr zu forschen, was uns im Wege steht, die Kraft und natürliche Führung mehr in uns zu fühlen und gleichzeitig kann es dir vielleicht helfen, wie vielen anderen auch, was ich im ersten Abschnitt geschrieben habe. So wie dein Mindset etwas zu ändern: "Ah er lässt sich nicht führen, weil es ihm emotional zu unsicher ist." Und dass du ihn da tiefer siehst und ihm vielleicht etwas die Hand anbieten kann, vielleicht nur fein, vielleicht nur innerlich, dann passiert schon was in eurer Verbindung. Dass es noch nicht das Ziel ist, dass jetzt alles klappt und du auch weisst, ja es braucht Zeit, ich darf mehr in meine Verbindung und Führungskraft wachsen und sie dürfen mehr sich emotional sicher beginnen zu fühlen und mutig mehr loslassen und werden sich dann im Laufe des Weges besser führen lassen.
Es ist ein Weg, der Geduld erfordert und gleichzeitig so wundervoll ist! So viele Eltern haben so viel Angst, vor der eigenen Kraft und wollen mit Führung nichts am Hut haben, weil ja auch so viel furchtbares passiert ist und nun sind wir alle auf dem Weg, uns mit dieser Kraft, die wir für ein erfülltes Leben brauchen, wieder mehr zurück zu verbinden.

Ich hoffe, dass du mit dem einen oder anderen was anfangen kannst und du den Mut findest für dich, dir und euch auch Zeit zu geben.

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